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Gut - doch nicht gut genug für diese Zeit?

Diese Erfahrung dürfte der eine oder andere unter Umständen auch haben, gut in der Schule, Abitur mit "gut" abgeschlossen und dann?

Nicht "gut" genug, um durchzustarten. Bei mir sah dies wie folgt aus:

Ein halbes Jahr vor dem Ende des Abiturs, also etwa Dezember 2004, bekomme ich aus heiterem Himmel eine Mitteilung vom Kreiswehrersatzamt, dass ich aus "gängiger Praxis" nicht zum Zivildienst herangezogen werde, wie es ursprünglich der Fall war. "Musterungsgrad 3" wird ausgemustert. "Toll", dachte ich, da habe ich mir gut ein halbes Jahr täglich Stunden genommen neben Ausarbeitungen, Vorträgen, Lernen genommen, um Zivi-Stellen zu finden, anzufragen, keine Antwort zu bekommen, dann vielleicht doch mal eine... und dann teilt man mir mit, dass das jetzt eh egal ist.

Was nun? Studienbewerbung? Hatte ich bis dato vor mir hergeschoben. Zwar hatte ich mein Wunschstudium schon fest im Blick, aber noch nicht groß erkundigt.

Also suchte ich erstmal nach einer "Notlösung": Ausbildung. Darüber hatte ich mir zuvor natürlich keine Gedanken gemacht, nein, für mich kam nur ein Studium in Frage.

Parallel informierte ich mich freilich über Studienplätze in der Nähe. Warum in der Nähe?

Freundin und Familie waren "Schuld". Doch was ist verkehrt daran, an diesen festen Größen in meinem Leben festzuhalten? Hunderte Kilometer Entfernung zu beidem käme einer Non-Existenz von beidem gleich, trotz Telefon, Internet. Sie wären eben nicht einfach mal erreichbar.

Je näher das Abitur rückte, desto klarer Umrissen wurden meine beiden anschließenden Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Studium auf Lehramt.

Möglichkeit 2: Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, mit guten Perspektiven für höhere Positionen im Unternehmen.

Für Möglichkeit 1 musste ich noch einen Sprachtest absolvieren, jedoch lief dieser ohne größere Probleme. So hatte ich dann auch die "freie" Wahl: Bewerbe ich mich um einen Studiuenplatz? Oder nehme ich die Ausbildung?

Ich musste bei letzterer nämlich nur noch zustimmen, da der zuständige Verkaufsleiter überzeugt von mir war.

Und es ist natürlich auch verlockend: Eigenes Geld verdienen, statt den Eltern erst einmal mit einem kostspieliegen Studium auf der Tasche zu liegen.

So entschied ich mich für Möglichkeit 2.

Anderthalb Jahre später landete ich auf dem Boden der Realität: Theorie: kein Thema - Einser am Fließband. Praxis: Ich blieb weit hinter den Erwartungen zurück. So sollte ich Führungsstunden sammeln, tat dies aber nicht, was die Geduld meines Ausblidungsleiters strapazierte, aber im gleichen Zuge mich noch mehr frustrierte.

So dachte ich mir, ich bewerbe mich jetzt einfach noch einmal wegen meinem Wunschstudium, was soll schon passieren dachte ich, wenns klappt, ordentliche Kündigung, wnen nciht, halt Zähne zusammenbeißen. Also wiederholte ich den Eignungstest an einem freien Tag. Und nach erfolgtem Bescheid bewarb ich mich.

Gut zwei Monate später erhielt ich eine Antwort:

Und das traf mich dann doch unerwartet: 12 Wartesemester, um zu diesem Studiengang mit meinem "guten" Notendurchschnitt zugelassen zu werden.

So stellte sich dann mit Verspätung heraus, dass ich doch eine halbwegs richtige Entscheidung mit der Ausbildung getroffen habe.

Diese Feststellung motivierte mich dann doch ungemein, und wenngleich die Führungsstunden ein Problem von mir blieben, so brachte ich in den anderen Bereichen durchaus mehr als erwartet.

Und wie sieht es nun heute aus? Noch ein Monat bis zur mündlichen Prüfung, dann darf ich mich Einzelhandelskaufmann nennen.

Aufgrund meiner "guten" Leistungen darf ich bleiben. zwar nichts gehobenes, aber doch verdiene ich genug, um etwas zur Seite zu legen. Folgendes Fazit zog mein Verkaufsleiter: Meine Leistungen seien mit Ausnahme von Schichtführungen gut, mit dem Kollegium käme ich gut aus, deshalb würde er mich für diese Filiale übernehmen. Aber er schätze mich bei Übernahme so ein, dass ich nicht lange zufrieden mit dieser Stelle sei. Ja, er gesteht mir sogar zu, dass bei entsprechender Aussicht auf etwas "besseres", man kurzfristig eine Freigabe vereinbaren könne. Doch bei ihm im Unternehmen würde das nichts mit höheren Schwingen.

Der derzeitige Stand meiner Wartesemester: 6

So heißt es für mich, noch mindestens 2 Jahre bei meiner Firma bleiben, dann versuche ich es einfach schon mal. Vielleicht reichen 10 Wartesemester ja schon aus - mit guter Führung kann man ja auch schon das eine oder andere verkürzen...

Und die Moral von der "Geschicht'": Sei gut*, sei flexibel, sonst schaffst du's nicht.

*"gut" im Blickwinkel des über dich Urteilenden

4.6.08 15:00, kommentieren

Von stempelnden Lehrern und Investitionen in Sachen Bildung

Frontal21 berichtete am 03.06.08, Aushilfslehrer würden in einigen Bundesländern nur berfristet eingestellt, über die Sommerferien müssten sie Hartz IV beantragen.

So wurde eine 7.Klasse vorgestellt, die in 2 Jahren 4(!) verschiedene Klassenlehrer hatte, eben aufgrund dieser Regelung.
Die betroffenen Bildungsministerien begründeten dies wenn überhaupt nur mit Kostenersparnissen.

Eine Expertin rechnete für 5.000 angenommene Fälle 17 Millionen Euro aus, die vom Sozialstaat getragen werden - und die die Bildungsministerien sparen.

Doch soll nicht schon seit Jahren in Bildung investiert werden? Was für eine Konsequenz beim Verbessern des Bildungssystems ist das, wenn man bei PISA um jeden Preis gut abschneiden möchte, dafür Schüler in nahezu jeder Schulstufe großen Vergleichstests unterzieht, aber im selben Zuge die Schulzeit für Abiturienten von 13. auf 12 jahre reduziert, Lehrer/innen wie Leiharbeiter behandelt?

Wie soll die Qualität des Unterrichts steigen, wenn man sich im Sommer fragen muss, ob man überhaupt neu eingestellt wird und sich nebenbei noch Arbeitsmaßnahmen unterziehen muss? Worauf soll man sich als Lehrer vorbereiten, wenn man nicht weiß, wo man unterkommt? Welche Konsquenz sollen Jugendliche aus dieser Inkonsequenz ziehen, wenn gerade erst kennengelernte Lehrer/innen schon wieder von der Bildfläche verschwinden?

Eine (notwendige) Verbesserung des Bildungssystems, welche sich nahezu auch jede Bundes- und Landtagsregierung auf die Fahnen schreibt, kann nicht nur durch verschärfte Testverfahren und mehr Inhalt (Quantität) in weniger Zeit (G7) geändert werden, sondern muss auch durch ein konstantes/stabiles Umfeld für Lehrer wie für Schüler gesichert werden. Ebenso muss ein der veränderten Bedingungen angepasstes Unterrichtsmodell nicht eben halbgar und Stück für Stück umgesetzt werden, sondern es sollte vorausgeplant und als Ganzes sofort umgesetzt werden. Erst damit schneidet man bei PISA besser ab - mit der derzeitigen Umsetzung schafft man sich vor allem eines: "Verlierer" der Zukunft. Denn in derartiger Unsicherheit zu lernen, ist sicherlich anderes als vorteilhaft auf dem Weg zum Schulabschluss und allem was danach noch kommen mag.

So sollten sich die Bildungsminister auch die Frage stellen, welche Schulnote würden sie wohl verdienen?

Im Augenblick sieht es nach Nachsitzen aus.



4.6.08 15:48, kommentieren

Es liegt was in der Luft - Geld.

Ich habe mir gestern eine einfache Rechnung gemacht:

Ich rauche eine Schachtel Zigaretten pro Tag. Eine Schachtel kostet mich 2 Euro - ja ich kaufe sie mir in Polen. Mit deutschen Zigaretten kann ich das doppelte erwarten.

Ein Jahr hat 365 Tage. Das macht 730 Euro.

Demnächst werde ich dieses Geld nicht mehr in die Luft pusten.

Dafür ist das zuviel Geld. Es reicht zwar nicht unbedingt für etwas großes, aber Kleinvieh macht auch Mist. Auch wenn es heißt, dass ich 7.300mal im Jahr nichts im Mund habe.

Manchmal muss man sich einfach nur die Werte vor Augen halten.

Und die Gesundheit dankt es einem auch - wenn der Wille denn da ist.

Das war zuletzt nicht so, aber diesmal schon.

 

1 Kommentar 6.6.08 07:14, kommentieren

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